Geprägt von der Sommerhitze mit bis zu 40 Grad fanden zwischen dem 24. und 28. Juli die U23-Ruderweltmeisterschaften in Linz/Österreich statt. Nachdem es das Organisationskomitee geschafft hatte, nur wenige Wochen nach der Hochwasserkatastrophe auf der an der Donau gelegenen Regattastrecke wieder reguläre Wettkampfbedingungen herzustellen, hatten 52 Nationen zu dieser Spitzensportveranstaltung gemeldet. Die Qualität dieser Veranstaltung wurde durch den Start etlicher Teilnehmer der letztjährigen Olympischen Spiele weiter verdeutlicht

Aus dem Regattaverband Ems-Jade-Weser qualifizierten sich in diesem Jahr gleich drei Sportler für die unterschiedlichen Bootsklassen in der Nationalmannschaft. Begleitet wurden sie von Landestrainer Steffen Oldewurtel, welcher von Bundestrainerin Brigitte Bielig zum Bootstrainer des Frauen-Vierers ohne berufen wurde.

Für Carl Reinke (Oldenburg) und Luisa Neerschulte (Lingen) gingen dabei  besondere Träume in Erfüllung. Waren sie 2011 bzw. 2012 noch als Ersatzmann/frau zur Junioren-Weltmeisterschaft gefahren, schafften sie in diesem Jahr die direkte Qualifikation für den Männer-Vierer mit Steuermann bzw. den Frauen-Doppelvierer.

Reinke fuhr mit seiner Mannschaft aus Osnabrück/ Hamburg/ Treiskarden/ Oldenburg im Rahmen der Deutschen Meisterschaft zur Goldmedaille und qualifizierte sich damit für die U23-WM. Auf der WM selbst steigerte sich die im Durchschnitt erst 19 Jahre alte Mannschaft von Rennen zu Rennen. Nachdem sie im Vorlauf noch gegen Australien laut Zielfilm um acht Hundertstel den Kürzeren gezogen hatten und damit in den Hoffnungslauf geschickt wurden, kamen sie dort zu einem deutlichen Sieg über Kanada, Großbritannien, USA und die Ukraine und sicherten sich damit den Einzug ins A-Finale. Mit einem grandiosen Rennen und einem zur Streckenhälfte eingeschobenen langen Zwischenspurts kamen sie dann hinter Italien und Neuseeland und vor Austarlien, Kanada und Frankreich als dritte ins Ziel. Damit gewann Carl Reinke seine erste WM-Medaille und tritt somit in die Nachfolge seines Vaters, welcher in 80ern ebenfalls WM-Medaillen erringen konnte.

Neerschulte konnte sich ebenfalls als Deutsche Meisterin in dieser Bootsklasse für den Frauen-Doppelvierer qualifizieren, dies war in der Besetzung aus Hannover, Magdeburg, Ratzeburg und Lingen ein wahrer Husarenritt. Nach dem Vorlauf rückte Neerschultes Mannschaft durch die Disqualifikation der Niederlande, deren Boot nicht das Mindestgewicht erfüllen konnte, ohne Umweg über den Hoffnungslauf ins A-Finale auf. Dort konnte man die Defizite des Vorlaufs auf der zweiten Streckenhälfte nahezu vollständig abstellen. Ihre physische Überlegenheit abrufend gelang es der deutschen Mannschaft nach und nach an einem Konkurrenten nach dem anderen vorbei zu fahren. Im Ziel widerstanden lediglich noch Rumänien und Polen dem Endspurt der Deutschen, woraufhin eine im Vorfeld kaum für möglich gehaltene Bronzemedaille gefeiert werden konnte.

Für Oldenburgs Nachwuchssportlerin des Jahres 2013, Jule Dirks, galt es, mit ihrer im Durchschnitt noch nicht einmal 19 Jahre alten Mannschaft aus Hanau, Limburg, Stuttgart, Oldenburg sich gleich im ersten Jahr nach der Junior-Klasse im Frauen-Vierer ohne Steuerfrau der Reifeprüfung U23-WM zu stellen. Nach einer dreiwöchigen Vorbereitung in Oldenburg und Ratzeburg nutzte sie unter Anleitung von Steffen Oldewurtel die WM-Bühne, um sich in Rennhärte und Endgeschwindigkeit zu überprüfen. Als die mit Abstand jüngste Mannschaft im Teilnehmerfeld begeisterten sie das Publikum mit rudertechnischer Kompaktheit und einer bemerkenswerten Mobilisierungsfähigkeit auf den letzten 500 Metern eines jeden Rennens. Die Mannschaft konnte sich vom Vorlauf zum Hoffnungslauf deutlich steigern, musste letztlich aber die Stärke der ihr im Hoffnungslauf zugelosten Konkurrenz akzeptieren und qualifizierte sich für das Finale B. Dort konnte sie den Abstand mit 4,16 Sek auf die siegenden Rumänen im Vergleich zu den ersten Rennen mehr als halbieren. Mit nur 1,5 Sek Rückstand auf die USA und 0,98 Sek Rückstand auf Italien wurde es letztlich für Dirks der 4. Platz, deutlich vor dem Boot aus Frankreich. Auch in diesem Rennen unterstrichen sie wieder ihre Endspurtqualitäten, lag der Rückstand auf USA und Italien noch bei 1.500m bei 4,5 bzw. 3 Sekunden. Bemerkenswert ist noch, dass speziell diese Bootsklasse in diesem Jahr von etlichen anderen Nationen als Schwerpunktbootsklasse gewählt und daher mit je den vier leistungsfähigsten Ruderinnen besetzt wurde. Dies kommt darin zum Ausdruck, dass gleich sechs der elf gemeldeten Mannschaften in den Bereich der aktuellen Weltbestzeit fahren konnten, was in keiner anderen Bootsklasse der Fall war.

Für den Regattaverband Ems-Jade-Weser steht zum Ende der Weltmeisterschaft mit zwei Bronzemedaillen, drei nominierten Sportlern/innen, sowie der Berufung eines Bootstrainers für die Nationalmannschaft das in dieser Breite erfolgreichste Ergebnis seines Bestehens fest.